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Der Wanderbursche
von Karl Brüggemann

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Büi Wunnerlich, den Doktersmann,
de kloppe et eunes Dages an.
Un up süin fründleket „Herein“,
kamm übern Süll seo´n jung Froillein.

Dat Luit was wacker anteoseuhn,
et was van ollen Suiten scheun.
Satt ollet up der rechten Stie,
da was wal jeuder met teofrie.

Auk Wunnerlich keik hen un her
un froge, wat denn kranket wör.
„Ich heiße Karoline Biere,
ich glaub´, ich hab ´ne Wanderniere.“

„Ja“, sejjt do iuse Wunnerlich:
„Dat wör seo ganss verwunnert nich.
Bui schlechten un büi kaulen Wedder,
soll´n jui wat anteuhn, dat wör bedder.

„Dann machen Sie sich mal eben frei,
runter mit den Sachen eins, zwei drei.“
Iuse Wunnerlich make dat gern,
mol platt un dann wier hauchduitsk kürn.

Iut taug sick dat Froillein Biere,
et woll sick euerst nau´n betken wieren.
Un denn feng iuse Doktersmann,
met süiner Unnersuchunge an.

Heu kloppe up der Bost herümme,
denn dreihe heu dat Luit mol ümme.
Heu sochte no der Wanderniere
un see denn: „Leuwet Froillein Biere,
de Neuern, de sitt foider unner,
dat ganße Tuig, dat mott harunner.“

Seo taug sick Line ollet iut,
de Doktor namm sick reichleck Tuit.
Teoleßte see heu: „So ist es richtig,
die Untersuchung war sehr wichtig.

Niu teuht juch man oll wedder an.“
Heu gnuichel düget, iuse Doktorsmann.
Et diuer denn auk gar nich lange,
bet Line wedder ollet hadde anne.

Niu froge et den Wunnerlich:
„Eine Wanderniere war´s sicherlich?“
„Ne Wannerneuern meunst diu Luit?
Dat sach do öbber nich no iut,
un fang man nich glüiks an teo grüi´n,
eun „Wanderbursche“ kannt wesen süin.“

Zur Lektion 5 gehören noch:
Lied: Müine Heume hier
Gedicht: Der Wanderbursche hier
Gedicht: Morgenstunne  hier
Gedicht: De Wettlaup hier

Bei Wunderlich dem Doktorsmann,
da klopfte es eines Tages an.
und auf sein freundliches „Herein“,
kam über die Schwelle so ein junges Fräulein.

das Mädchen war schön anzusehen,
es war von allen Seiten schön.
saß alles auf der rechten Stelle,
da war wohl jeder mit zufrieden.

Auch Wunderlich guckte hin und her
und fragte, was denn krank wär.
„Ich heiße Karoline Biere,
ich glaub´ ich hab´ ne Wanderniere.“

„Ja“, sagte da unser Wunderlich:
„Das wäre son ganz verwunderlich nicht.
Bei schlechtem und bei kaltem Wetter,
solltest du was anziehen, das wäre besser.

„Dann machen Sie sich mal eben frei,
runter mit den Sachen eins, zwei, drei.“
Unser Wunderlich machte das gern,
mal platt und dann wieder hochdeutsch zu reden.

Aus zog sich das Fräulein Biere,
es wollte sich erst noch ein bisschen wehren.
Und dann fing unser Doktorsmann,
mit seiner Untersuchung an.

Er klopfte auf der Brust herum,
dann drehte er das Mädchen um.
Er suchte nach der Wanderniere,
und sagte dann: „Liebes Fräulein Biere,
die Niere, die sitzt weiter unten,
das ganze Zeug, das muss herunter.“

So zog sich Line alles aus,
dr Doktor nahm sich reichlich Zeit.
Zuletzt sagte er: „So ist es richtig,
die Untersuchung war sehr wichtig.

Nun zieh dich mal wieder an.“
Er schmunzelte neugierig, unser Doktorsmann.
Es dauerte dann auch gar nicht lange,
bis Line wieder alles an hatte.

Nun fragte sie den Wunderlich:
„Eine Wanderniere war´s sicherlich?“
„Eine Wanderniere meinst du Mädchen?
da sah es aber nicht nach aus,
und fang mal nicht gleich an zu weinen,
ein „Wanderbursche“ kann es gewesen sein.“